Targa - Florio 1970
Die Targa Florio auf Sizilien wurde in den letzten Jahren immer mehr zur deutschen Bastion. Porsche gewann alle Rennen seit 1996
und zehnmal insgesamt. Alfa Romeo gewann bisher achtmal und Ferrari sechsmal. Das Engagement von Ferrari bei diesem Rennen
reduzierte sich in den vergangenen Jahren immer mehr und 1970 war gerade noch ein einziger Werkswagen am Start. Den 512 S
steuerte Ignatio Giunti und der sizilianische Lehrer Nino Vaccarella der den kleinen Madoniekurs besser kannte als jeder andere.
Einmal führte er das Rennen sehr zur Freude der Zuschauer an, doch am Ende triumphierte die Porsche-Armada und der Ferrari
erreichte einen dritten Platz. Porsche nahm die Targa Florio wie immer sehr ernst und liess den leistungsstarken 917 S zu Hause.
Anstelle dieses Wagens tauchten sie mit einer modifizierten Version des 3-Liter 909-Bergspiders auf den sie ein paar Wochen zuvor
in Sizilien getestet hatten. Dieser Wagen wurde 908/3 S genannt und man sah diesem wendigen Fahrzeug sofort an, dass es auf
schnellstem Wege nur für dieses Rennen konzipiert wurde. Dieser Wagen ist auf obigem Bild zu sehen. Es waren nicht
weniger als fünf dieser Wagen am Start und sie beendeten das Rennen auf den Plätzen 1-2-4 und 5 und Kinnunen im
zweitplazierten Wagen fuhr mit 33 Minuten und 36 Sekunden einen neuen Rundenrekord und verbesserte denjenigen von Elford aus
dem Vorjahr umd mehr als 90 Sekunden. Dies entspricht einem Durchschnit von fast 130 KM/H. Die neuen 908/3er wurden von
Elford / Herrmann (Porsche Austria), Rodriguez / Kinnunen, Siffert / Redman, Attwood / Waldegard (alle JW - Gulf Porsche)
eingesetzt. Elford und Herrmann hatten auch einen 917 S mitgebracht mit dem sie einen inoffiziellen Rekord in 35 Minuten und
6 Sekunden erreichten. Aber sie erkannten schnell das Potential des neuen 908/3 als ihnen einen Runde in 34 Minuten und 46
Sekunden gelang. Siffert war der wahre Held des Trainings als er 34 Minuten und 10 Sekunden erreichte, eine Zeit die alle anderen
in den Schatten stellte und das Potential des 908/3 erst richtig aufzeigte. Viertschnellster war Piers Courage mit einem der drei
Alfa Romeo 33/3 S in 35 Minuten und 5 Sekunden. Er teilte den Wagen mit Andre de Adamich. Die anderen beiden, von Autodelta
eingesetzten Wagen fuhren Maglioli / Galli und Gregory / Hezemans. Ein weiterer 512 S wurde von der Scuderia Filipinetti unter
Parks / Müller eingesetzt, aber niemand traute diesen grossen Wagen den Sieg zu. Der Start des Rennens wurde wegen eines
Regenschauers um 45 Minuten auf 9:15 verschoben. Vaccarella und Müller starteten in ihren 512 S als erste von 78 Wagen
und fanden nach den Regen eine recht rutschige Strecke vor. Elford fuhr eine seiner allerschlechtesten Targas überhaupt und
streifte ein paar Kilometer vor Cerda einen Randstein. Ein Reifen ging kaputt und Elford krachte in eine Mauer. Auch der dreifache
Sieger Maglioli setzte seinen Wagen in einer Mauer noch bevor er eine halbe Runde gefahren war. Beide genannten Fahrer
schieden also sehr frühzeitig aus. Nach der ersten Runde kam Siffert vor Vaccarella vorbei, doch in Führung lag der
908er Martini-Porsche von Larrousse mit 13 Sekunden Vorsprung auf Siffert, Vaccarella belegte Rang sieben. Bei einem Boxenstop
wurde der Ferrari 4 Sekunden schneller als der Porsche abgefertigt und unter dem frenetischen Jubel der Zuschauer führte
der Ferrari von Vaccarella das Feld "auf der Strasse" an. Der Führende war allerdings Rodriguez 100 Sekunden vor Redman,
Vaccarella war dritter. Der Sizilianer fuhr sehr schnell, trotzdem lag er 41 Sekunden hinter dem Mexicaner. Als Vaccarella den
Ferrari 512 S an Giunti übergab lag er mit 33 Sekunden in Führung. Redman ging durch eine Runde in 34 Minuten und
33 Sekunden in Führung. Als er den Wagen an Siffert übergab lag der 908/3er 13 Sekunden vor Giunti im 512er.
In den Runden 7 und 8 lagen die beiden Wagen nur wenige Meter auseinander und das Publikum war begeistert. Das deutsche
Boxenteam war beim nächsten Boxenstop etwas schneller und Siffert kam kurz vor Vaccarella zurück auf die Piste.
So lange Siffert den Porsche vor dem Ferrari halten konnte hatte er gewonnen, Vaccarella fehlten mehr als 14 Sekunden zur
Führung. In der gleichen Runde fuhr Courage im letzten verbliebenen 33/3S gegen einen Baum und es fuhren nur noch
sieben Wagen um den Sieg. Vaccarella wurde müde und Siffert ging mit mehr als einer Minute in Führung. Der
Rodriguez / Kinnunen - Porsche war dritter, der Laine / van Lennep - Porsche vierter, der Larrousse / Lins - Porsche fünfter
und der Attwood / Waldegaard - Porsche sechster. Laine verlor ein Vorderrad, fuhr aber auf der Bremsscheibe weiter. Dann rammte
Vaccarella im zweitplazierten Ferrrari einen massiven Felsen. Die Aufhängung ging kaputt, aber er konnte mit eine schlingernden
Wagen weiterfahren. Der arme Giunti musste im praktisch kaputten 512er die letzte Runde fahren. Kinnunen holte im 908/3er
mächtig auf und verdrängte den wunden Ferrari schlussendlich auf Platz drei.
Race: 72,000 km * 11 laps = 792,000 km AVG: 120,151 km/h BL: Leo Kinnunen 20 Porsche 908/03 33:30,600 Pos. NO Driver / Nationality Car Entrant Laps/Time Group Practice Classified: 1. 12 Siffert Porsche 908/03 John Wyer Automotive Engine 11 6:35:30,000 1. 34:10,000 Redman / GB 2. 20 Rodriguez / MEX Porsche 908/03 John Wyer Automotive Engine 11 6:37:12,500 35:12,800 Kinnunen / SF 3. 6 Vaccarella / I Ferrari 512 S SEFAC 11 6:39:05,200 3. 34:46,000 Ignazio Giunti / I 4. 10 Laine Porsche 908 AAW 11 6:44:51,700 van Lennep / NL 5. 36 Richard Attwood / GB Porsche 908/03 John Wyer Automotive Engine 11 6:45:01,600 Björn Waldegaard 6. 4 Parkes Ferrari 512 S Scuderia Filipinetti 10 6:46:02,600 37:38,500 Müller / CH